Interview mit Boris Pfeiffer

Hallo ihr Lieben,

 heute ist es soweit und ich darf euch ein weiteres Interview präsentieren. Heute zu Gast habe ich Boris Pfeiffer, worüber sich besonders mein Sohn besonders gefreut hat, da Boris der Lieblingsautor von meinem Zwerg ist. Daher hat natürlich auch mein Kleiner ein paar Fragen an den Autor gehabt und ich muss sagen, ich wäre wohl auf die eine oder andere Frage selbst nicht gekommen.

 Jetzt aber genug von mir und Interview ab!

 Das hier ist Boris:

boris

Boris Pfeiffer ist am 21. August 1964 geboren und den meisten von uns als Kinderbuchautor ein Begriff. Doch dass dieser Mann, welcher sogar schon eine Weile in Italien lebte, zuvor Theaterregisseur war, wissen die Wenigsten, obwohl er für sein Stück „Ich knall euch ab“ mit dem 1. Preis und dem Publikumspreis des Kinder- und Jugendtheaters NRW ausgezeichnet wurde und sein Stück „Wehr dich, Mathilda“ 2007 lange Zeit des bestbesuchte Stück am Berliner GRIPS-Theater war.

Doch nicht nur in Sachen Theater war Boris unterwegs, nachdem er an der Film- und Fernsehakademie Berlin Drehbuch studiert hat, konnte er auch mit dem Kurzfilm „Drachenblut“ beim 36. World-Film Festival in Texas gewinnen. Doch nach einigen Drehbüchern und Plots für bekannte Fernsehserien hatte Boris vom Fernsehen genug und wandte sich – zum Glück für uns – seiner Karriere als Kinderbuchautor zu.

Er erfand nicht nur zusammen mit André Marx die 15-teilige Reihe „Das Wilde Pack“ und schrieb über 30 Bände der Kultreihe „Die drei ??? Kids“, sondern auch die „Akademie der Abenteuer“, „Unsichtbar und trotzdem da!“, „Ein Pony namens Buttermilch“, „Baby im Bauch?“ und „One Night Stand“ sind seiner Feder entsprungen. Insgesamt kann man daher ohne schlechten Gewissens sagen, dass er einer der bekanntesten lebenden deutschen Kinderbuchautoren ist und gerade viele Jungs durch ihn den Weg zum Lesen gefunden haben.

Natürlich habe auch ich schon einiges von ihm gelesen. Hier gehts zu meinen Rezensionen:

 Das Wilde Pack:

Band 1: Das wilde Pack
Band 2: Das wilde Pack und der geheime Fluss
Band 3: Das wilde Pack schmiedet einen Plan
Band 4: Das wilde Pack lässt es krachen

Die Akademie der Abenteuer – Die Knochen der Götter

Hallo Boris,

es freut mich sehr dich hier zu haben und dir zusammen mit meinem Sohn einige Fragen stellen zu dürfen. Besonders aufgefallen ist mir bei deinen Büchern, dass sie immer einen Hintergrund haben neben der Unterhaltung. Sie sollen Kindern zeigen, wie sie manche Situationen meistern können, aber auch, wie sie mit ihrem Umfeld umgehen sollen. Auch wenn man auf deine Theaterstücke zurückblickt, findet man immer wieder solche Botschaften. Ich persönlich finde es klasse, dass du dich dieser Verantwortung als Autor stellst, einer, dem bewusst ist, dass seine Bücher Einfluss haben. Doch von dir möchte ich wissen, was dich dazu bewegt hat, diese Botschaften in die Bücher einzubauen und natürlich auch, welche sie für dich selbst haben? Welchen Einfluss haben sie auf deine Arbeiten? Überlegst du gezielt welche Botschaften du in ein Buch packen willst oder sind sie nur Nebenprodukte, die sich so ergeben?

Die Botschaften, wie du sie nennst, sind natürlich keine Nebenprodukte meiner Geschichten. Sie sind der Kern, um den sich meine Geschichten drehen. Aber gleichzeitig stelle ich sie nicht in den Vordergrund. Mir gefällt sehr gut und ich bin dir dankbar, dass du das, was in meinen Geschichten die untergründige Hauptrolle spielt, erkennst und für dich ganz weit nach vorne stellst. Aber das muss natürlich nicht jeder Leser und nicht jede Leserin tun. Wer diesen Fluss, diese Gedanken, in meinen Geschichten entdeckt, dem werden sie möglicherweise Freude bereiten und den und die werden sie bereichern. Aber das muss nicht sein. Jeder darf meine Geschichten auch einfach als Abenteuergeschichten oder buntes Leben lesen. Wer darüber hinaus noch mehr entdeckt, dem bin ich dankbar. Sehr dankbar. Denn dieser Mensch hat für sich entdeckt, warum ich so gerne schreibe.

Du hast dich entschieden deine Karriere bei Theater und Film an den Nagel zu hängen und dich vollends der Kinderliteratur zu verschreiben. Warum denn eigentlich? Viele Autoren sagen, dass es ihr größter Traum wäre für Film und Fernsehen zu arbeiten, ihre Werke als Film oder Serie über die Leinwände dieser Welt flimmern zu sehen. Du hattest es geschafft, dass du erfolgreich sowohl die deutschen Theaterbühnen als auch die Drehbücher fürs Fernsehen geschrieben hast und dennoch hast du alles aufgegeben. Warum waren gerade Kinderbücher ein so reizvolles Thema, dass du dich trotz Auszeichnungen aus Theater und Film zurückgezogen hast?

In der Zeit, als ich für das Fernsehen schrieb, bekam ich die Möglichkeit, für entsetzlich dummes Zeug extrem viel Geld zu verdienen. Ich verfiel dem Geld und ich begann, alles was ich schrieb, in Geld aufzuwerten. Ich zählte das Geld, das ich für meine Arbeit bekam. Und ich sah, dass ich reich werden würde. Gleichzeitig sah ich aber auch, dass ich meine Seele verkaufen musste. Wenn ich damals nicht begonnen hätte zu hinterfragen, was ich für das viele Geld tat, dann wäre ich ein skrupelloser reicher Mann geworden. Ich hätte wahnsinnig dummes Zeug geschrieben, um dafür sehr viel Geld zu bekommen. Und ich bekam das Gefühl, dass ich mir nicht im Spiegel in die Augen sehen könnte, wenn ich das täte. Darum habe ich damals beschlossen, nicht weiter für Geld zu arbeiten, sondern mir einen Freiraum zu suchen, in dem ich genug Geld verdienen würde, um zu überleben, aber nicht alles für Geld tun müsste. Es ist nicht leicht, diese Entscheidung zwischen Geld und freier Arbeit immer anständig aufrechtzuerhalten. Diese Frage beschäftigt mich immer wieder. Wenn ich ganz ehrlich bin, verachte ich das Geld. Und ich verachte die Menschen, die ihr Leben nach dem Geld ausrichten. Vielleicht verachte ich sie auch nicht, sondern bin nicht ihrer Meinung. Ich treffe viele Menschen im Leben, Menschen, die viel Geld verdienen, und Menschen, die weniger Geld verdienen oder sehr wenig. Manche der Menschen, die viel Geld verdienen, sagen, dass es Luxus wäre, mit diesem vielen Geld anderen zu helfen. Aber kaum einer tut es. Die meisten reisen dann doch nur in die Karibik. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass Geld korrumpiert. Ich versuche, dieser Korruption immer wieder auszuweichen. Ich bin nicht reich. Man wird mit Kinderbüchern nicht reich, es sei denn, man landete einen Weltbestseller. Und ich habe mir geschworen, dass ich, wenn ich das tue, mit dem Geld für diesen Weltbestseller etwas tun werde, was nicht für mich ist.

Du hast schon eine solche Anzahl an Büchern geschrieben, dass man einfach nur staunen kann, aber sei mal ehrlich zu uns: Woher nimmst du diese vielen Ideen? Was inspiriert dich und wie gehst du damit um wenn dir mal wirklich nichts einfallen will oder du eine Schreibblockade hast?

Ich bin ein Mensch, der reich an Ideen ist. Ich habe jeden Tag, wenn ich die Ruhe habe sorglos zu denken, ein Dutzend Ideen. Geschichten rasen auf mich zu und ich habe die Fähigkeit, mir in einem Tag sieben oder acht oder neun oder zwölf Geschichten oder auch nur eine gewaltige Geschichte auszudenken. Eine Schreibblockade hatte ich nur ein einziges Mal im Leben. Und ich habe sie nach drei Wochen glücklich überwunden. Wenn ich mich nicht um Bürokratie, um Organisationen, um den Umgang mit diesem oder jenem kümmern müsste, wenn ich den ganzen Tag schreiben und Geschichten erfinden dürfte, dann könnte ich wahrscheinlich alle paar Tage eine große Geschichte erfinden. Die Ideen nehme ich irgendwo aus dem Umfeld dieser Welt um mich herum. Sie sprudeln mir zu. Sie belagern mich. Sie sind meine Freunde. Sie lieben mich. Und ich liebe sie.

Wie schafft man es eigentlich als Mann erfolgreich Bücher für Mädchen zu schreiben? Die Kinderträume von Mädchen und Jungs sind doch sehr verschieden und von der Gegenseite oft auch nicht immer nachzuvollziehen. Wie gelingt es dir, dich so gut in die Welt von kleinen Mädels hineinzuversetzen, dass du genau das Schreiben kannst, was sie sich wünschen?

Diese Frage finde ich befremdlich. Warum sollte ich mir ein Mädchen, seine Gedanken, eine Frau, ihre Gedanken, warum sollte ich mir das alles nicht vorstellen können? Ich bin ein Mensch. Natürlich kann ich mir eine Frau nicht weniger stark vorstellen als einen Mann. Ich bin beides. Ich bin ein Mensch, und in mir leben Frauen und Männer. Diese Frage finde ich wirklich verwunderlich.

Ich weiß, dass ich dir bei einem Fragefreitag auf Lovelybooks schon einmal diese Frage gestellt habe, doch nachdem es eine der ersten Fragen war, die auch mein Sohn und sein bester Freund hatten, habe ich mir gedacht, dass ich sie einfach noch einmal stellen muss, denn sie scheint ein größeres Thema bei deinen Lesern zu sein. Die Frage nach den Namen. Wie kommst du nur immer auf diese ganzen ausgefallenen Namen. Manchen davon kennt man aus der Bibel, der Geschichte, andere habe ich davor noch nie gehört und trotzdem sind sie richtig schön. Erzähl uns doch mal ein wenig über die Namensgebung deiner Romanfiguren bitte.

Die Namen meiner Figuren kommen zu mir. Manchmal sehe ich sie im Traum. Plötzlich taucht eine meiner Figuren nachts im Schlaf, in einem Traum, vor mir auf. Buchstabe für Buchstabe. Und dann sehe ich diesen Namen vor mir. Oder ich sehe den ganzen Namen. Beleuchter plötzlich vor mir auf, ich sehen vor mir, ich höre ihn, er steht mir vor Augen. Es ist so einfach. Es passiert genauso. Die Namen meiner Figuren schreiben sich vor meinem inneren Auge von selbst auf.

Wo wir dann grade schon mal bei den Figuren sind. Welches ist dein absoluter Lieblingscharakter von den Figuren, die du selbst erfunden hast? Na und das warum würden wir natürlich auch sehr gerne wissen.

Ich habe kein Lieblingscharakter. Ich liebe alle meine Figuren. Die Guten und die Bösen. Ich liebe sie alle. Sie alle kommen aus mir.

Kein Autor ist ohne Bücher aufgewachsen, daher hattest du sicherlich auch in deiner Kindheit deine ganz eigenen Romanhelden, welche dich geprägt haben. Erzähl uns doch mal, wer hat den kleinen Boris geprägt und welche Botschaften hatten deine liebsten Kinderbuchhelden für dich?

Es gibt ein paar, und meine wichtigsten waren Jim Knopf, Lukas, der Lokomotivführer, Pipi Langstrumpf und die orangefarbenen Katze. Sie haben mich geprägt. Michel hat mich auch geprägt. Und die Kinder, mit denen ich gespielt habe, sie haben mich auch geprägt. Die Kinder, die ihre mehr oder weniger verrückten Elternhäuser oder armen Elternhäuser oder hilflosen Elternhäuser mehr oder weniger überlebt haben oder versucht haben zu überleben oder hinter sich gebracht haben – sie alle sind meine Vorbilder, wenn du so willst. Sie alle werde ich nie vergessen. Für sie alle schreibe ich. Mein Leben lang.

Wenn du an die Prints deiner Kindheit zurückdenkst und an die Veränderung des Leseverhaltens heutzutage, fällt dir sicherlich so wie mir eine erhebliche Veränderung auf. Viele Kinderbücher kommen heute ganz selbstverständlich als eBook heraus und viele Kinder hantieren schon ganz selbstverständlich mit ihrem eReader. Wie stehst du selbst dieser Entwicklung gegenüber? Ist ein eReader wirklich die Lösung für Kinder oder teilst du meine Ansicht, dass man einem Kind lieber ein Print in die Hand drücken sollte?

Ehrlich, ich bin da total meinungslos. Ich selbst ziehe Bücher auf Papier 100 % vor. Aber, ich verkaufe meine Bücher genauso als E-Book wie als Print. Welchen Unterschied sollen wir machen? Ich würde nie mit einem E-Book schlafen gehen, um noch ein paar Seiten zu lesen. Aber, sollen wir irgendjemand zu diesem oder zu jenem erziehenden? Nein! Lass sie machen.

Du gehst auf deiner Seite sehr offen mit vielen Seiten deines Privatlebens um, so auch mit deiner Scheidung. Dennoch blieb bei uns eine große Frage offen. Hast du denn eigentlich eigene Kinder, welche deine schönen Geschichten mit derselben Begeisterung lesen wie deine Fans?

Ich habe keine Kinder und alle meine Neffen und Nichten sprechen Italienisch, so dass sie meine Bücher nicht lesen können. Denn meine Bücher sind nicht auf Italienisch übersetzt. Das ist schade. Wir haben ein paar italienische Verlage angefragt, ob sie meine Bücher übersetzen wollen. Aber keiner war bisher bereit, genauso wenig wie auf Englisch. Was du hier fragst, ist eine Frage an die Zukunft. Sie möge Sie beantworten.

Wir haben mitbekommen, dass du zusammen mit Bundesligavereinen Lesungen für Kids veranstaltet hast und diese kamen auch super an. Nun hat diese Lesung sicherlich der eine oder andere aus diversen Gründen verpasst. Wann können dich denn die Kids mal wieder irgendwo live und in Farbe erleben?

Ich lese laufend und immer wieder. Ich bekomme mehr Anfragen für Lesungen, als ich gestalten kann. Guckt im Internet, guckt in den Zeitungen, guckt im Fernsehen und guckt auf den Websites. Irgend eine Lesung von mir werdet ihr sicherlich finden. Und dann kommt.

Nun ist es wieder Zeit für eine Runde Entweder – Oder. Bitte entscheide dich für jeweils eine Option (gerne darfst du auch dazu sagen warum)

  1. Hunde oder Katze?

Ich will Hund und Katze, ich bin mit beiden aufgewachsen

  1. Blumen oder Pralinen?

Blumen

  1. Traum oder Wirklichkeit?

Bitte beides

  1. Morgenmuffel oder Morgenmensch?

 Morgen Mensch und Morgenmuffel und Abend Liebhaber und Nachteule

  1. Deutschland oder Italien?

Klar, natürlich beides

  1. Pferde – ja oder nein?

Nein

  1. Lego oder Playmobil?

Lego

  1. Eis oder Schokolade?

Eis und Schokolade

  1. Faul oder fleißig?

Bin ich auch beides

  1. Schwimmen oder Eislaufen?

Schwimmen

Nun sind wir leider auch schon wieder fast am Ende angelangt allerdings haben wir noch 2 Fragen, welche uns auf der Seele brennen. Was hast du denn so als nächstes für Bücher für uns geplant. Mit welchen tollen Erscheinungen von dir dürfen wir denn so rechnen?

Ich habe zwei Romane in mir, die ich schreiben werde. Drachenretter, ein Roman, für den mit der Carlsen Verlag grade abgesagt hat. Und wo ich jetzt sehen werde, wo ich ihn veröffentliche oder auch einfach nur für mich schreibe. Und die Unvollkommenen, einen Roman, in dem Graffiti lebendig werden. Dieser wird im Kosmos Verlag erscheinen.

Und last but not least wäre es schön, wenn du uns vielleicht ein oder zwei lustige Anekdoten aus deiner Autorenlaufbahn erzählen würdest, denn schließlich ist Lachen ja gesund und daher würden wir das Interview auch sehr gerne lachend schließen.

Geschichten zum Lachen? Ich hoffe sehr, dass ihr in meinen Büchern die eine oder andere Stelle zum Lachen findet. Es ist Mitternacht und ich habe Moment überhaupt keine Lust, lustige Anekdoten zu erzählen. Nein, ich werde jetzt nicht zum besten geben, was sich irgendwie komisch finde. Ich lache gerne mit jedem persönlich, wenn wir uns treffen aber heute in diesem Interview habe ich keinen Bock dazu. Ich umarme euch, liebevoll.

 Vielen Dank Boris, dass du dir soviel Zeit genommen hast für uns und unsere Fragen genommen hast. Wir wünschen dir weiterhin alles Gute und viele Ideen für deine kommenden Projekte.

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